1. Musikdurst zu stillen, ist kein Hobby
Eine harte Einsicht gleich zu Anfang: All das, was wir so lieben, ist gar nicht so selbst verständlich – auf Konzerte gehen, eine Stammbar mit guter Musik zu haben, Festivalsommer, spannende Acts, die spannende Alben machen. Dieses Jahr hat natürlich viele Menschen in ihrer Sicherheit getroffen - und wir wollen hier niemanden gegeneinander ausspielen. Aber 2020 machte sichtbar, was viele schon wussten, die sich auch beruflich mit Musik befassen: In den meisten Fällen ist das ein sehr prekäres, auf Leidenschaft und Selbstausbeutung setzendes Arbeitsfeld. Optimistisch betrachtet, kann man immerhin feststellen, dass die Politik inzwischen ein wenig besser weiß, wie dort gearbeitet wird, was Solo-Selbstständige sind und dass Musikförderung eine gute Investition ist, wenn man ein interessantes Kulturleben haben will. Auch bei uns gab es einige Beiträge dazu, diesen hier zum Beispiel Alarmstufe Rot. Außerdem empfehlen wir gerne immer weider: Checkt die Socials eurer Lieblingsclubs und schaut, wie man denen eventuell helfen kann oder verschenkt Merch von eurem Lieblings-Act oder -Festival – natürlich nur, wenn das finanziell drin ist …
2. Live bleibt Life
Man verzeihe den Kalauer in der Überschrift, der natürlich auf den Überhit von Opus verweisen soll. Was wir damit meinen: Auch wenn Konzerte, wie wir sie bisher kannten, in diesem Jahr nicht möglich waren, musste wir immer wieder feststellen, dass wir trotzdem Live-Musik brauchen – und die zur Not auch mal als Stream funktioniert oder als distanzierte Freiluft-Veranstaltung, die man sitzend genießt. Wer jedenfalls zu den zwei glücklichen Gewinner*innen zählte, die bei den von uns unterstützten Flux-Sessions live dabei sein durften, der spürte im Herz, im Kopf und in den Haarspitzen, dass ein live gespielter Akkord oder Gesang von Angesicht zu distanziertem Angesicht immer noch intensiver wirkt. Und wo wir gerade von den Flux-Sessions reden – hier gibt’s ne schöne:
3. Es gab immer noch verdammt viel, verdammt gute Musik
Im Rückblick ist es höchst interessant, wie Künstlerinnen und Künstler auf diese besondere Situation reagierten: Nach einer kurzen Schockstarre schienen viele ihre Unsicherheit in improvisierten Streaming-Konzerten von daheim zu kompensieren, dann gab es im Sommer ein paar Auftrittsmöglichkeiten, die sich jedoch mit dem sonst so nötigen Tourpensum nicht vergleichen ließen – und dazwischen: Schrieb man Songs, war im Studio, vernetzte sich mit befreundeten Acts. Dabei entstand immer noch unfassbar viel gute Musik. Das merkt man gerade besonders, wo die Musikmagazine und Websites ihre Alben des Jahres vorstellen. Zwar finden sich dort auch Blockbuster wie Dua Lipas „Future Nostalgia“, die längst im Kasten waren als der Lockdown kam, aber zum Beispiel auch zwei wunderschöne Folk-Alben von Taylor Swift, die sie im Ping-Pong zwischen ihrem Heimstudio und dem Studio der Band The National produzierte und in einem normalen Jahr mit Welttournee nie geschafft hätte. Und dann erschien gerade auch noch das dritte Album der großartigen The Avalanches, die sonst im Schnitt 15 Jahre dafür brauchten. Und weil es hier so gut passt, hier noch mal eine der zahlreichen, sehr schöne Quarantäne-Live-Session des Jahres, die man auch in fünf Jahren noch schauen mag:
4. Virtuelle Konzerte können ganz spannend sein – werden das Original aber nie ersetzen
Man könnte ruhigen Gewissens sagen: Unser Artikel über das Thema virtuelle Festivals aus dem Herbst war ein kleiner Aufreger auf unserer Facebookseite. Dabei hatten wir ja nur die offene Frage gestellt, ob Konzerte im virtuellen Raum die Zukunft sind. Unsere Antwort ist immer noch: Jein. Sie werden Teil der Zukunft - und es ist spannend zu sehen, wie man Shows weltweit streamen kann, die live eingespielte Musik mit Visual Effects, Animationen und gar Videospielen zusammenbringen. Das hat schon seinen Reiz. Aber eben nie den einer normalen Konzerterfahrung. Trotzdem werden vor allem große Künstler, die junge, im Internet lebende Fans haben, diese Möglichkeiten auch weiterhin nutzen, um ihre Musik vorzustellen. Und weil es wirklich beeindruckend war, hier noch mal die „Show“ von Travis Scott im Game Fortnite:
5. Wir alle haben das Beste draus gemacht
Zugegeben: Optimismus fällt auch zum Jahresende nicht unbedingt leicht. Man darf aber schon feststellen, dass viele von uns – um nicht zu sagen die meisten – das Beste aus der doofen Situation gemacht und Wege gefunden haben, unseren Musik- und Festivaldurst trotzdem zu stillen. Zwei Beispiele fallen uns da sofort ein: Das tolle, auch von uns unterstützte Festival für Festivals, bei dem an einem Augustwochenende in ganz Deutschland in Muttis Garten kleine Festivalcamps entstanden (und sehr viel Geld für die Branche gespendet wurde) und unsere eigenen, kleinen Privat-Festivals mit Eskimo Callboy, die zwei Gewinner-Cliquen unvergessliche Abende beschert haben:
In diesem Sinne: Kommt gut ins neue Jahr, bleibt #musikdurstig und drückt mit uns die Daumen, dass im nächsten Jahr live und draußen wieder ein wenig mehr gehen kann!
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