Dua Lipa – „Future Nostalgia“
Die nächste große Pop-Queen macht mit ihrem zweiten Album alles klar: das Beste aus der Disco-Ära, fette Produktion, feinstes Songwriting, Refrains, die in der Arena ebenso funktionieren wie bei TikTok. Auf „Future Nostalgia“ stimmt einfach alles. Hätte Dua Lipa wie geplant das Album direkt nach Release auf ihrer großen Tour auf die Bühne bringen können – es wäre der perfekte Lauf geworden. Aber verschoben ist ja nicht aufgehoben, und ihre Hit-Singles „Don’t Start Now“, „Levitating“ und „Physical“ haben bisher kaum an Kraft verloren – auch weil sie diese mit diversen spektakulären Feature-Gästen und Remixen immer wieder zu neuem Leben erweckt hat.
Die Ärzte – „HELL“
Das Comeback des Jahres, zumindest wenn man sich auf deutsche Bands konzentriert und AC/DC mal kurz außenvorlässt. Man hatte es gehofft, aber nicht unbedingt gedacht, dass BelaFarinRod noch was Neues einfällt. Oder na ja, wirklich neu ist auf „HELL“ natürlich wenig. Also sagen wir es so: Es ist schön, dass Die Ärzte mal wieder in Topform sind und ihnen 18 durchweg gute Stücke gelungen sind: politische Nummern wie „Woodburger“, das Zitat der eigenen Karriere mit dem „Westerland“-Gedächtnis-Song „Das letzte Lied des Sommers“, herrlich existenzialistischer Quatsch wie „Einmal ein Bier“, wo sich Bela am Ende in ein Bier verwandelt oder dieser definitive Abgesang auf PUNK:
Taylor Swift – „Folklore“
Es klingt wie ein Album, das man bei einem melancholischen Waldspaziergang hören will. Aber auch wenn sich der folkige Sound von Taylor Swift, den sie zu großen Teilen mit The-National-Mitglied Aaron Dessner aufnahm, anschmiegt wie der „Cardigan“-Pullover, den sie ihm gleichnamigen Lied besingt, hat Taylor Swift immer noch diesen lyrischen Biss, der sich vor allem in „mad woman“ zeigt. Die Pop-Kids wussten schon länger, dass Taylor eine der Besten ist, dank „Folklore“ haben das nun auch die Indie-Nerds geschnallt – spätestens wenn deren Idol Bon Iver bei „exile“ mal kurz mitsingen darf.
KitschKrieg – „KitschKrieg“
Aus der Kategorie: leider geil. Denn auch wenn das Produzententeam KitschKrieg einfach stilprägend bleibt, die Bässe ganz wundervoll Brummen und hier jeder der behutsam gesetzten Sounds goldrichtig ist, muss man ihr „Debüt“-Album auch kritisch betrachten. Oder zumindest die eindrucksvolle Gästeliste, die zwar mehr als ein Dutzend Top-Namen in petto hat, aber auch dank Jamule, Bonez MC und Gzuz für Kontroversen sorgte. Klammern wir uns also an die geilen Leute, die keinen frauenfeindlichen oder rassistischen Mist von sich gegeben haben und feiern zum Beispiel Peter Fox‘ und Trettmanns HipHop-Abgesang „Lambo Lambo“ , Max Herres und Skinnyblackboys düsteres „Sonora“, den Generationentreff „Oh Junge“ von RIN und Kool Savas oder dieses tolle Duett zwischen Trettmann und Alli Neumann:
Run The Jewels – RTJ4
Wo wir schon gerade bei Rap sind: Das beste, wütendste, politischste witzigste, emotionalste US-Rap-Album ist „RTJ4“ vom Duo Run The Jewels. Killer Mike und EL-P fangen nicht nur die ganze Dramatik und Dringlichkeit der BlackLivesMatter-Bewegung in „Walking In The Snow“ ein, sie schaffen es auch bereits zum zweiten Mal in ihrer Karriere, den Rage Against The Machine-Sänger Zack de la Rocha mit neuen Lines ans Mikro zu kriegen – etwas, dass er bei seiner Hauptband bisher trotz angekündigter Welttournee noch nicht wieder hingekriegt hat.
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